{"id":95,"date":"2020-01-13T09:04:14","date_gmt":"2020-01-13T09:04:14","guid":{"rendered":"http:\/\/viktoriabalon.net\/?p=95"},"modified":"2020-01-13T09:04:14","modified_gmt":"2020-01-13T09:04:14","slug":"suchspiel-mit-pelewin-2000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viktoriabalon.net\/?p=95","title":{"rendered":"SUCHSPIEL MIT PELEWIN ,2000"},"content":{"rendered":"\n<p>\nS\u00dcDWESTRUNDFUNK\n<strong>SWR2\nDschungel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nProduktion:\t06.11.-01.12.2000,\nStudio 7, BAD, 09.00 &#8211; 16.45<\/p>\n\n\n\n<p>\nRedaktion:\tKatrin\nZipse<\/p>\n\n\n\n<p>\nRegie:\tUlrich\nLampen<\/p>\n\n\n\n<p>\nSendung:\t20.12.2000\tZeit:\n14.05 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>SUCHSPIEL\nMIT PELEWIN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Ein\nrussischer Schriftsteller im Cyberspace<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Von\nViktoria Balon<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Deutsche\nBearbeitung: Olga Fidor<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nBesetzung:\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nAutorin:<\/p>\n\n\n\n<p>\nSprecher\n1: Sprecher 2: Sprecher 3: Sprecherin 4:<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t1<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t1<strong>0-Ton\t(\u00dcbersetzer\nAndreas Tretner)\t<\/strong>Er\nist ein Spieler, ein durchaus\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\npostmoderner\nAutor. Da\u00df er tats\u00e4chlich diese Grenze zwischen Wirklichkeit und\nFiktion gern verschiebt, oder vielf\u00e4ltig gestaltet oder\nlabyrinthisch gestaltet, so wie Computerspiele aufgebaut sind.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Andreas\nTretner, \u00fcbersetzt Pelevin ins Deutsche.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\t(Tretner)\n<\/strong>Er\nspielt auch gern Fantasy-Spiele und Adventure-Spiele, kennt sich<\/p>\n\n\n\n<p>\nda\ngut aus. Das sind so Ebenen, die ihn interessieren, wenn sich\nlabyrinthische Situationen ergeben, und der Leser nicht mehr genau\nwei\u00df, wo die Grenze zur Wirklichkeit ist oder wo die Mystifikation\nanf\u00e4ngt. Das tut er dann auch in au\u00dferliterarischen Zusammenh\u00e4ngen.\nBei Interviews zum Beispiel. Ich war Zeuge, da\u00df er den Leuten\nerz\u00e4hlt hat, da\u00df seine Mutter Prostituierte in Odessa war und da\u00df\nseine Kindheit im Gef\u00e4ngnis demzufolge ablief. Dann hat es sogar\nschon bis auf Klappentext einer franz\u00f6sischen Ausgabe gefunden, da\u00df\ner Flugzeugingenieur f\u00fcr die Baugruppe Moskitoschutz bei den\nFlugzeugtriebwerken war, und deswegen die Insekten gut kennt und\ndieser Roman &#8222;Aus dem Leben der Insekten&#8220; daraus\nhervorgegangen ist. V\u00f6lliger Quatsch, dies er unwahrscheinlich gern\nerz\u00e4hlt, um auf eine sehr originelle Art kundzutun, da\u00df den Leser\neigentlich die Person des Autors nichts angeht.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Viktor\nPelewin begegnet seinem schlagartigen und \u00fcberw\u00e4ltigenden<\/p>\n\n\n\n<p>\nErfolg\nals Autor, indem er sich versteckt. Es wird erz\u00e4hlt, dass er seine\nSonnenbrille nie absetzt, seine Fotos erst nach umst\u00e4ndlicher\nComputerbearbeitung publizieren l\u00e4sst, \u00e4u\u00dferst selten Interviews\ngibt und sich<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t2\nprinzipiell\nvon Journalisten fernh\u00e4lt. Am liebsten kommuniziert er \u00fcber das\nInternet.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1: <\/strong><a href=\"http:\/\/www.israel.ru\/murena\/pelevin.html\">www.israel.ru\/murena\/pelevin.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Unter\ndieser Adresse befindet sich ein Internet-Orakel. Es verwendet Zitate<\/p>\n\n\n\n<p>\naus\nder Online-Version des Romans &#8222;Buddhas kleiner Finger&#8220; von\nViktor Pelewin. Keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>&#8222;Sag\nmal, du tr\u00e4umst wohl nicht zuf\u00e4llig von der Klapsm\u00fchle. Denkst du,\nes macht f\u00fcr mich einen Unterschied, wie ich in den Notizen hei\u00dfe,\ndie du dir im Traum machst?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t&#8211;\n<\/strong>lese\nich, nachdem ich meine &#8211; geheime- Frage gedacht habe. In der<\/p>\n\n\n\n<p>\nvirtuellen\nRealit\u00e4t ist es wie im Traum: jede Zuf\u00e4lligkeit kann zu einem\nZeichen werden und mit Hilfe von jeder Zeile kann man wahrsagen. Ich\nnehme das Orakel als quasi-Erlaubnis, auf meine Art nach Viktor\nPelewin zu suchen. Ich starte ein Suchspiel. Das Spielfeld: Die\nvirtuelle Welt. Die Spielelemente: e-mails, Interviews und Pelewins\nTexte.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1 <\/strong><strong>LOADING<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>&#8222;Das\nSpiel hat viele Ebenen. Von den unteren kann man nach oben\naufsteigen, und von den h\u00f6heren hinunterfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t\t2<strong>Autorin\t<\/strong>Zitat\n\taus Pelewins Erz\u00e4hlung &#8222;Prinz der Staatlichen\n\tPlanungsbeh\u00f6rde&#8220;.\n\t\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t3\n3\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2: <\/strong>Dabei\nwechseln Korridore und Fallen, aber alles bleibt beim alten: das<\/p>\n\n\n\n<p>\nM\u00e4nnchen\nl\u00e4uft zwischen Steinplatten, Fackeln, Sch\u00e4deln auf dem Boden und\nZeichnungen an den W\u00e4nden hindurch. Ziel des Spiels ist es, auf die\noberste Ebene zu gelangen, wo die Prinzessin wartet. Um Erfolg bei\ndiesem Spiel zu haben, mu\u00dft du vergessen, da\u00df du auf die Tasten\ndr\u00fcckst, und selbst zu diesem M\u00e4nnchen werden, denn nur dann\nbekommt es den Grad der Geschicklichkeit, den es braucht, um \u00fcber\ndie herabfallenden Platten zu laufen, von denen jede das Gewicht des\nK\u00f6rpers nur eine Sekunde lang aushalten kann, obwohl das M\u00e4nnchen\nja gar keinen K\u00f6rper hat und schon gar kein Gewicht, genauso wenig\nwie die herabfallenden Platten selbst, egal wie \u00fcberzeugend der\nKrach zu sein scheint, den sie im Fallen von sich geben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1\t<\/strong>LEVEL\n1\nis loading now!<\/p>\n\n\n\n<p>\ne-mail<\/p>\n\n\n\n<p>\nvon\nDesertir<\/p>\n\n\n\n<p>\nBetreff:\nBelletristik<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>&#8222;Was\nDein Interesse f\u00fcr Pelewin betrifft, so teile ich es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\nKeine\nbeeindruckenden Figuren, lauter Ideen, die schon seit ewig in unserer\nSzene kursieren. Und seine Popularit\u00e4t ist die eines Sportlehrers,\nder es so gut wie kein anderer Lehrer versteht, Witze mit Jungs zu\nmachen. Das ist keine Literatur, sondern Belletristik.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin:\t<\/strong>Diese\ne-mail ist von einem meiner Bekannten, einem Moskauer Szene-<\/p>\n\n\n\n<p>\nMenschen.\nWie jeder Kult-Schriftsteller hat Pelewin nicht nur eifrige Anh\u00e4nger\nsondern auch aktive Gegner. Die russische Literaturkritik beurteilt\nihn in der<\/p>\n\n\n\n<p>\n4<\/p>\n\n\n\n<p>\nRegel\neher negativ. Extra f\u00fcr ihn hat sogar jemand ein in der russischen<\/p>\n\n\n\n<p>\nSprache\nschauerlich deutsch klingendes Schimpfwort erfunden\n&#8222;Bestsellermacher&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>\n\t\t\t0-Ton\n\t\t<\/td><td>\n\t\t\t<strong>(Tretner)\n\t\t\t<\/strong>Es\n\t\t\tist vielleicht ein schiefer Blick, dass man immer wieder Pelewin\n\t\t\tmit Kriterien &#8222;h\u00f6heren&#8220;, &#8222;hohen&#8220; Literatur\n\t\t\tbeizukommen versucht.\n\t\t\t\n\t\t\tEr\n\t\t\tbedient sich der Mittel aus Trivialliteratur und das ganz mit\n\t\t\tAbsicht. Bei ihm wird in den Dialogen \u2014 und das merkt man als\n\t\t\t\u00dcbersetzer sehr schnell \u2014 gnadenlos mit den Schultern gezuckt.\n\t\t\tAlle drei Seiten zuckt einer mit den Schultern, und man kann sich\n\t\t\t\u00fcberlegen: soll man jetzt irgendwie tilgen, damit es den Leuten\n\t\t\tnicht auf den Wecker f\u00e4llt. Ein Deutschlehrer w\u00fcrde vielleicht\n\t\t\t&#8222;Wiederholungszeichen&#8220; an den Rand schreiben, wenn es\n\t\t\tein Aufsatz w\u00e4re. Im Trivialroman, im Kriminalroman, auch in dem\n\t\t\tguten, spannenden, oder was immer Gutes solche Genres ausmacht,\n\t\t\tst\u00f6rt es \u00fcberhaupt keinen Menschen. Und man darf nicht mit einer\n\t\t\tfalschen Elle arbeiten. Seine St\u00e4rken sind nicht in der\n\t\t\tStilistik, sie liegen ganz woanders.\n\t\t<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Diese\nanderen St\u00e4rken von Pelewin wollen nicht alle erkennen: Die elit\u00e4ren<\/p>\n\n\n\n<p>\nPostmodernisten\nbeschimpfen ihn, weil in seinen B\u00fcchern Begriffe wie Gut und B\u00f6se\nvorkommen und humanistische Ideale vertreten werden. Die\nKonservativen klagen ihn daf\u00fcr an, da\u00df seine B\u00fccher \u2014so hat es\nein Rezensent formuliert \u2014 wie ein Computervirus das kulturelle\nGed\u00e4chtnis Ru\u00dflands zerst\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p>\nSeine\nAnh\u00e4nger hingegen, die sich haupts\u00e4chlich im Internet treffen, sind\nder Meinung, da\u00df Pelewin den russischen Leser f\u00fcr die russische\nLiteratur zur\u00fcckgewonnen hat. Und schlie\u00dflich brauche ein Autor,\nvon dessen neuem<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t5\n5\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nRoman\nin Ru\u00dfland schon eine Viertelmillion Exemplare verkauft wurden,\nkeine Verteidigung.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\tSlava\n(auf Russisch) <\/strong><em>dar\u00fcber<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3\t<\/strong>Ich\nwei\u00df nicht, warum manche ihn f\u00fcr einen Phantasten halten,<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin:\t<\/strong>Slava,\nProgrammierer und \u00dcbersetzer aus dem Tibetischen ins Russische<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\tSlava\n<\/strong><em>dar\u00fcber<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>er\nist doch sehr realistisch und schreibt \u00fcber die Menschen aus meinem\nUmfeld beinahe biographisch. Nat\u00fcrlich gefallen mir solche B\u00fccher,\nweil sie etwas mit mir zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Auch\nim Westen hat Pelewin einen sehr guten Ruf. Und in Japan. Es hat ein<\/p>\n\n\n\n<p>\nbi\u00dfchen\ngedauert bis er in Deutschland entdeckt wurde, aber mittlerweile sind\nhier f\u00fcnf B\u00fccher erschienen. Zum Durchbruch in Amerika verhalf eine\nAktion des Starfotographen Richard Aiden, der in der Zeitschrift &#8222;New\nYorker&#8220; Fotos von den besten europ\u00e4ischen Autoren unter 35\nver\u00f6ffentlicht hatte. Pelewin war darunter.<\/p>\n\n\n\n<table class=\"wp-block-table\"><tbody><tr><td>\n\t\t\t<strong>0-Ton<\/strong>\n\t\t<\/td><td>\n\t\t\t<strong>(Tretner)\n\t\t\t<\/strong>Auff\u00e4llig\n\t\t\tist, da\u00df Pelewin sich auf keinen weder lebenden noch toten\n\t\t\trussischen Autor bezieht. Wer Texte von ihm gut kennt, merkt zum\n\t\t\tBeispiel einen Zusammenhang mit Marquezschem Realismus oder mit\n\t\t\tBorges. Borges ist ein offenbar wichtiger Autor f\u00fcr ihn.\n\t\t\t\u00dcberhaupt ist er sehr belesen und sehr viel Weltliteratur hinter\n\t\t\tsich hat und sich in diesem Raum bewegt, ohne sich dezidiert an\n\t\t\tirgend jemanden anzulehnen, oder an jemanden anderes zu beziehen,\n\t\t\tals normale literarische Allusionen,\n\t\t<\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n\n\n\n<p>\n\t6\n6\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nAnspielungen.\nAber Borges ist ein Autor, der mit diesen Ebenen, den Grauzonen\nzwischen Literatur und Wirklichkeit arbeitet, Mystifikationen, die\nheraus hervorgehen, das sind die Stellen \u2014 auch ein Wandel, eine\nTransformation, diese Fantasy-Ebene, das sind Dinge, die diese zwei\nAutoren aus so verschiedenen Generationen, aus so verschiedenen\nKulturen, doch sehr aneinander ann\u00e4hern. Und da kann man seinen Spa\u00df\nhaben, das zu vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\tAnja\n(auf Russisch) <\/strong><em>dar\u00fcber:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecherin\n4 <\/strong>Er\nist popul\u00e4r, weil er sehr gut f\u00fchlt, was in Ru\u00dfland passiert und\nTexte schreibt, die die Leute geil finden.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Anja,\nSoziologin aus Moskau<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\tAnja\n<\/strong><em>dar\u00fcber:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecherin\n4 <\/strong>Das,\nwas er zu sagen hat, ist kein leeres Geschw\u00e4tz, sondern etwas, was\nLeute mindestens zum Durchhalten motivieren kann. Er zeigt, da\u00df wir\nnoch nicht ganz im Arsch sind, da\u00df jeder von uns im Grunde toll und\nauserw\u00e4hlt ist. Jeder will auserw\u00e4hlt sein. Und er gibt uns die\nM\u00f6glichkeit, das zu sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong><a href=\"http:\/\/www.zhurnal.ru\/index.shtml\">www.zhurnal.ru\/index.shtml<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1 <\/strong>Chat-Interview\nmit Pelewin<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n<\/strong>3\nKarlsson an Pelewin:<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nLeute scheinen mir an Identifikation zu verlieren, an Orientierungen,\nPolen, Koordinatensystemen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t7<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t7<strong>Sprecher\n2 <\/strong>Pelewin\nan Karlsson:\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nist ein sehr guter Prozess &#8211; der Verlust der Koordinaten. Denn\nletztendlich kommt der Mensch darauf, dass das einzige\nKoordinatensystem er selbst ist. Ich glaube, ich habe kein festes\nBild von mir selbst, aber das zu sagen bedeutet gleichzeitig schon,\nsich eines zu machen. Also ist es besser, aufzuh\u00f6ren, \u00fcber dieses\nThema \u00fcberhaupt nachzudenken.. Wie Buddha<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>da<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nsagte,\nwo ein Gedanke ist, dert-ist ein Problem, kein Gedanke &#8211; kein<\/p>\n\n\n\n<p>\nProblem.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Wie\nkann \u00fcberhaupt noch von Identit\u00e4t die Rede sein, wenn doch jeder\nHeld<\/p>\n\n\n\n<p>\nPelewins\nzugleich jemand anderes ist: der Philosoph &#8211; ein H\u00e4hnchen, der\nStudent &#8211; ein Werwolf, die Ameise &#8211; ein Marineoffizier, Lenin &#8211; ein\nHaufen Limonadeflaschen, der Angestellte der staatlichen\nPlanungsbeh\u00f6rde &#8211; ein Prinz aus dem Computerspiel?<\/p>\n\n\n\n<p>\nUnd\nder Autor &#8211; mal 33 Jahre alt, mal 40, je nach dem Klappentext auf\nseinen B\u00fcchern.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1 <\/strong>LEVEL\n2 is loading now! e-mail<\/p>\n\n\n\n<p>\nVon\nNika<\/p>\n\n\n\n<p>\nBetreff:\nFernsehen<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecherin\n<\/strong>4\nHiermit schicke ich Dir Pelewins Telefonnummer. Der gute Mann ist\naber bekanntlich ein eigenartiger Typ und geht nicht immer ans\nTelefon, sei also darauf gefa\u00dft, da\u00df Du erstmal nur den\nAnrufbeantworter dran hast und etwas sehr \u00dcberzeugendes sagen mu\u00dft,\ndamit er sich \u00fcberhaupt zur\u00fcckmeldet. Als ich ihn erreichen wollte,\ndauerte das sehr lange, um so mehr, als Herr Pelewin<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t8\n8\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\ngerade\nf\u00fcr einige Zeit ein Schweigegel\u00fcbde abgelegt haben sollte. Nicht\numsonst, denn er ist ein ziemlicher Schw\u00e4tzer, und wenn er erst mal\nins Reden kommt, dann halt Dich gut fest.<\/p>\n\n\n\n<p>\nIch\nschreibe dies in Eile und kann mich deshalb \u00fcber meine Arbeit beim\nFernsehen auch nicht lange auslassen; daf\u00fcr habe ich f\u00fcr dich ein\nPlakat eingescannt, das bei uns im Studio des Nachrichtenprogramms\n&#8222;Sevodniacko&#8220; h\u00e4ngt:<\/p>\n\n\n\n<p>\n&#8222;Achtung!\nAchtung!<\/p>\n\n\n\n<p>\nF\u00fcr\nKorrespondenten, die zu Nachteins\u00e4tzen ausfahren!<\/p>\n\n\n\n<p>\nLetzte\nWarnung!<\/p>\n\n\n\n<p>\nEs\nist streng verboten; Leichen l\u00e4nger als drei Sekunden im Gro\u00dfformat\nzu zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nUnd\nnoch strenger ist es verboten, Umgekommene, Gestorbene, Tote,\nUmgebrachte, Verbrannte, Erstickte etc. zu verunglimpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nStreng\nverboten ist es auch, zynische Fragen mit fr\u00f6hlicher Stimme zu\nstellen, wenn gerade eine tragische Geschichte gedreht wird!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\tDas\n<\/strong>ist\nein echtes Dokument, das gut in Pelewins neuen Roman &#8222;Generation<\/p>\n\n\n\n<p>\nP&#8220;\npassen w\u00fcrde. Dort geht es um das russische Fernsehen mit seiner\n\u00e4u\u00dferst zynischen und aggressiven Moderation. Der Romanheld, der\nurspr\u00fcnglich Schriftsteller werden wollte, wird Autor von Werbespots\nund pa\u00dft westliche Werbung der russischen Mentalit\u00e4t an:<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>Am\nmeisten fasziniert war Tatarski jedoch von einer exakt quadratischen\nschwarz-rot-gelben Packung mit deutschem Wappenadler und der\nAufschrift &#8222;S\/CO&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t9\n9\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nEs\nhatte etwas von einer kleinen Standarte und gefiel Tatarski so sehr,\nda\u00df er zwei davon kaufte. Auf der R\u00fcckseite der Verpackung stand zu\nlesen: <em>Beim\nErwerb von &#8222;Sico&#8220;-Pr\u00e4servativen k\u00f6nnen Sie auf\ntraditionelle deutsche Wertarbeit und G\u00fctekontrolle vertrauen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Zitat\naus&#8220;Generation P&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>Das\nist schlau! dachte Tatarski. Sehr schlau! Einige Minuten reflektierte\ner \u00fcber dieses Thema und bastelte an einem Spruch. Am Ende stand der\ngesuchte Satz klar und deutlich vor ihm. <em>&#8222;Sico.\nEin Porsche in der Welt der Pr\u00e4ser&#8220;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Im\nrussischen Original steht \u00fcbrigens anstelle von Porsche BMW. Und das\nist<\/p>\n\n\n\n<p>\nnicht\ndie einzige Stelle, an der der Text bei der \u00dcbersetzung ver\u00e4ndert\nwurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\t(Tretner)\n<\/strong>Es\ngibt z.B. diese gro\u00dfartige Szene, wo der Held des Buches<\/p>\n\n\n\n<p>\n&#8222;Generation\nP&#8220; ein Skript zu schreiben hat f\u00fcr eine simulierte Begegnung\ndes russischen Oligarchen Berezovskij mit dem tschetschenischen\nAnf\u00fchrer Raduev. Dort ist die Rede von einem in Deutschland wenig\nbekannten Reinigungsmittel namens &#8222;Tide&#8220; und einem Slogan\nder daraus hervorgeht. Mit der schon im Hinterkopf arbeitenden\nWerbemaschine bei diesem Helden. Die Ma\u00dfgabe des Autors f\u00fcr mich\nist: Es mu\u00df alles f\u00fcr den deutschen, den europ\u00e4ischen Leser\ntop-verst\u00e4ndlich sein und gnadenlos \u00e4ndern und streichen, was nicht\ngeht. Dann haben wir halt beschlossen von &#8222;Tide&#8220; auf\nMeister Proper zu gehen &#8230;. Und so ist der &#8222;Meister Proper&#8220;\nder dritte im Bunde mit Berezovskij und Raduev. Das finde ich\nziemlich witzig.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t10<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t10<strong>Autorin\t<\/strong>Das\nHauptthema des Romans ist jedoch weder das Fernsehen, noch die\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nWerbung,\nnoch computersimulierte Politiker und Oligarchen, die es in\nWirklichkeit gar nicht gibt, sondern das Schicksal der Generation &#8222;P&#8220;\n&#8222;P&#8220; wie &#8222;Pepsi-Cola&#8220;, dem ersten westlichen\nArtikel, den es zur Zeit ihrer Kindheit in den 70ern in der\nSowjetunion gab \u2014 schwarze Limonade hie\u00df das damals.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\t(Tretner)\n<\/strong>Da\u00df\nPelewin sehr viele Leser hat, vor allem in der Generation, wo<\/p>\n\n\n\n<p>\nnicht\nsehr viel gelesen wird, sondern viel mehr am Computer gesessen wird,\ndas ist richtig. Aber das hat mehr damit zu tun, da\u00df er a) zu dieser\nGeneration geh\u00f6rt, und b) da\u00df er eben eine bestimmte Weitsicht hat,\neine Wahrnehmungsweise, die auch durch Computer gepr\u00e4gt ist, und\ndurch die Computerspiele, aber auch durch die Wirklichkeit, wie sie\nheute ist und die ja halt darauf schon l\u00e4ngst reagiert. Dies ist ein\nHin und Her, wo man lange nicht mehr sagen kann, wo das Huhn und Ei\nist und was zuerst da war. Zum Beispiel es gibt in dem letzten Roman\nein Motiv, das er \u2014 ich finde auf relativ grandiose Art und Weise \u2014\nparodiert, indem er den Geist von Che Guevara da auf\npseudoparapsychologische Weise anruft: &#8222;Che Guevara, bitte,\nkommen!&#8220; Er bekommt da beinahe eine medienkritische Theorie des\nZappens, des st\u00e4ndigen Kanalwechsels, und das ist nat\u00fcrlich eine\nArt und Weise der Weltwahrnehmung, die ist sehr verbreitet und wird\nsehr beklagt von den konservativen Medienkritikern. Und hat er auch\ndrin. Und er sagt: Das ist eigentlich der wahre Realismus. Wenn man\nheutzutage, was fr\u00fcher Realismus hie\u00df, so kann man heute auch noch\nschreiben, aber es ist dann Nostalgie.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t11\n11\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>&#8222;Der\norale VVow!-Impuls regt die Zelle an, Geid zu schlingen, um das\nLeiden am Konflikt zwischen dem Selbstbild einerseits und dem von der\nWerbung erzeugten Idealbild, dem \u00dcber-Ich, andererseits aus der Welt\nzu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Zitat\naus einem Vortrag, den der Geist Che Guevaras \u00fcber die Mechanismen<\/p>\n\n\n\n<p>\nh\u00e4lt,\ndurch die der Mensch in eine primitive Zelle namens \u201eOranus&#8220;\noder \u201eLochfra\u00df&#8220;verwandelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>Der\nanale Wow!-Impuls regt die Zelle zur Ausscheidung von Geld an, was\ndie lustvolle Verschmelzung der oben erw\u00e4hnten Bilder bewirkt. Der\nverdr\u00e4ngende Wow!-Impuls wirkt wie ein St\u00f6rsender, der unerw\u00fcnschte\nRadioprogramme mit kr\u00e4ftigem Rauschen \u00fcberlagert. Auf den Punkt\ngebracht, ist seine Wirkung in Volksweisheiten wie &#8222;If you are\nso clever, show me your money!&#8220; (Wenn du so ein Schlaumeier\nbist, kannst du mir ja mal deinen Bankauszug zeigen). Ohne diesen\nImpuls w\u00e4re der Oranus gar nicht f\u00e4hig, die Menschen als Zellen f\u00fcr\nsich zu rekrutieren&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\tSlava\n(Russisch) <\/strong><em>dar\u00fcber<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>In\n&#8222;Generation P&#8220; ist die sogartige Moskauer Realit\u00e4t\nbeschrieben, die Welt der Werbung: wie sie den Menschen, der\nvielleicht urspr\u00fcnglich nach etwas H\u00f6herem, Hellem und Reinem\nstrebte, in ihren Bann zieht, wie sehr er ihr auch zu widerstehen\nversucht. Alle Mechanismen dieses Prozesses, alle Wow-Impulse sind\nsehr gut dargestellt. Es ist ein hochaktuelles Werk. Ein Mensch, der\nin Moskau oder in einer \u00e4hnlichen Gro\u00dfstadt lebt, befindet sich\nunter dem Druck dieser Faktoren, oft ohne sich dessen bewu\u00dft zu\nsein. Ich sehe, da\u00df sich die Menschen aus meinem Umfeld alle mit\ndiesem Ph\u00e4nomen<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t12\n12\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nherumqu\u00e4len\nund versuchen einen Ausweg zu finden. Pelewin hat das sehr gut auf\nden Punkt gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Verzweifelt\nwegen der Leere seines Lebens und unter dem Einflu\u00df einer<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u00dcberdosis\nLSD wirft sich der Held auf die Knie und versucht zu beten. Aber in\nseinem Kopf drehen sich nur Werbetexte. Und es entsteht ein Slogan\nf\u00fcr Gott:<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2\t<\/strong>&#8222;Jesus\nChristus \u2014 ein solider Herr f\u00fcr solide Herren&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Und\ndanach l\u00e4sst Tatarski den Stift fallen, richtet die verweinten Augen\nzur<\/p>\n\n\n\n<p>\nDecke\nund fragt:<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>Herr,\nmein Gott, gef\u00e4llt es dir?<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong><a href=\"http:\/\/www.sharat.co.il\/zhurnal\/voprosy.html\">www.sharat.co.il\/zhurnal\/voprosy.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1 <\/strong>&#8222;Fragen\nan Viktor Pelewin&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>Danke,\nda\u00df Sie alles geschrieben haben, was ich schon immer sagen wollte,\nnur besser.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong><a href=\"http:\/\/www.cdru.com\/kuznet\">www.cdru.com\/kuznet<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1 <\/strong>Chat-Interview\nmit Pelewin<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t13\n13\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>Auf\nGrund der Tatsache, da\u00df Pelewin den Jargon der modernen russischen\nNeureichen meisterhaft beherrscht, entstanden Ger\u00fcchte, da\u00df er ein\nNetz von Einzelhandelskiosken unter seiner Kontrolle habe und\n\u00fcberhaupt ein gro\u00dfer Bandit geworden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2\/Pelewin <\/strong>Wenn\nschon ein gro\u00dfer Bandit, warum dann nur Kioske? Dann doch lieber\ngleich die Kommerzbanken, Obwohl, in der Tat habe ich doch sowieso<\/p>\n\n\n\n<p>\ndiese\nganze Welt unter Kontrolle, das hei\u00dft, die Banken auch&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1\t<\/strong>LEVEL\n3 is loadinq now<\/p>\n\n\n\n<p>\ne-mail\nvon: Vlad<\/p>\n\n\n\n<p>\nBetreff:\nBuddhismus<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3\t<\/strong>Leider\nist der Mensch (Ljoscha), der uns mit Pelewin verbinden k\u00f6nnte, im<\/p>\n\n\n\n<p>\nMoment\nnicht aufzutreiben, da er kein Telefon hat, und ich nicht wei\u00df, wo\ner wohnt. Den einzigen Kontakt mit ihm hatte ich \u00fcber den\nTibetisch-Kurs, in dem jetzt Ferien sind&#8230; Ich habe geh\u00f6rt, da\u00df\nPelewin zur Zeit bei Euch in der N\u00e4he von Berlin sitzt, auf einer\nDatscha, und ein neues Buch schreibt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Die\ngrenzenlose Phantasie Pelewins gebiert die unwahrscheinlichsten\nSujets:<\/p>\n\n\n\n<p>\neine\nalte Schamanin holt die im Krieg gefallenen deutschen Soldaten aus\ndem Jenseits zur\u00fcck, um russische Frauen ins Ausland zu verheiraten;\nehemalige Parteifunktion\u00e4re wechseln ihr Geschlecht, um auf den\nStrich zu gehen&#8230; Aber das Unwahrscheinlichste gelang dem\nSchriftsteller mit Tschapajev und Pustota aus dem Roman &#8222;Buddhas\nkleiner Finger&#8220;: er verwandelte die beiden<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t14\n14\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nHelden\nunz\u00e4hliger russischer Witze in buddhistische Philosophen und versah\ndie Witze so mit einem tiefen mystischen Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong><a href=\"http:\/\/www.zhurnal.ru\/index.shtml\">www.zhurnal.ru\/index.shtml<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1 <\/strong>Chat-lnterview\nmit Pelewin<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>&lt;paravozov&gt;\nan Pelewin:<\/p>\n\n\n\n<p>\nKommt\nes Ihnen nicht so vor, als erinnerte das Ende von &#8222;Buddhas\nkleinem Finger&#8220; an irgendeine amerikanische Happy-End-Banalit\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>&lt;Pelewin&gt;\nan paravozov:<\/p>\n\n\n\n<p>\nNa,\nin einem solchen Fall kann ich nur sagen: wenn Sie etwas mit Blut;\nmit Fleisch usw. wollen, experimentieren Sie bitte mit sich selbst.\nMeiner Meinung nach ist ein Happy End das beste, was es \u00fcberhaupt\ngeben kann, sowohl in der Literatur als auch im Leben. Im Prinzip\nstrebe ich immer ein Happy End an. Die Sache ist n\u00e4mlich die, da\u00df\ndie Literatur in hohem Ma\u00dfe das Leben vorprogrammiert, jedenfalls\ndas Leben dessen, der schreibt. Ich habe das mehrmals erlebt und\nwerde deshalb in Zukunft zehnmal \u00fcberlegen, bevor ich irgendeine\nzweitrangige Figur irgendwohin schicke.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Ausgehend\nvon der Instabilit\u00e4t, der Virtualit\u00e4t der Wirklichkeit, in der wir\nleben,<\/p>\n\n\n\n<p>\nmodelliert\nPelewin immer wieder neue Welten und erz\u00e4hlt alternative Versionen\nder russischen Geschichte: zum Beispiel, da\u00df die Perestrojka infolge\nmystischer \u00dcbungen der Putzfrau Vera Pavlovna entstanden sei, die\nnach ihrem Tod in Tschernyschewskis Roman &#8222;Was tun?&#8220;\nverbannt wurde. Oder, da\u00df an allen russischen Katastrophen ein unter\ndem Ostankino-<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t15\n15\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nFernsehturm\nschlafender babylonischer Hund mit dem russischen Namen &#8222;Pizdec&#8220;\nschuld sei. Letzteres lie\u00df sich \u00fcbrigens im Zusammenhang mit dem\nj\u00fcngsten Brand wie eine d\u00fcstere Prophezeiung auffassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nAllerdings\nerweisen sich die Doppelwelten, die sich hinter der falschen Fassade\ndes Lebens er\u00f6ffnen, ebenfalls als unecht &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\nHinter\nall dem verbirgt sich eine besondere Weltanschauung. Pelewins B\u00fccher\nsind nicht einfach Phantasy und Satire. Noch zu sowjetischen Zeiten\n\u00fcbersetzte er Carlos Castaneda und bis heute zeigt er ein gro\u00dfes\nInteresse f\u00fcr \u00abver\u00e4nderte Bewu\u00dftseinszust\u00e4nde\u00bb, seien es durch\nDrogen hervorgerufene Halluzinationen, oder virtuelle Erscheinungen\noder die Ergebnisse einer mystischen Suche.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\tAnja\n(Russisch) <\/strong><em>dar\u00fcber<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecherin\n4 <\/strong>Alle\nsind jetzt verr\u00fcckt nach verschiedenen Religionen. Tats\u00e4chlich\nsteht dahinter der Wunsch, sich irgendeine Struktur zu schaffen, sich\nwie ein Mensch zu f\u00fchlen und nicht wie ein Tierchen im Laufrad, das\nrennt und rennt und froh sein mu\u00df, wenn ab und zu ein bi\u00dfchen Geld\ndabei herauskommt. Pelewin hat sehr gut erkannt, da\u00df niemand mehr\nLust hat, so eine erb\u00e4rmliche Tierchenexistenz fortzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin:\t<\/strong>Wie\nvielf\u00e4ltig die in Pelewins B\u00fcchern dargestellten mystischen und<\/p>\n\n\n\n<p>\npsychedelischen\nVersuche der Russen auch sein m\u00f6gen, Pelewin selbst ist Buddhist.\nDas ist so hinreichend bekannt, wie \u00fcber ihn \u00fcberhaupt etwas\nVerbindliches gesagt werden kann. Und hier bewegen wir uns auf der\nh\u00f6chsten, letzten Ebene des Spiels, der kompliziertesten, mit vielen\nFallen und Hindernissen, von der man nur allzu leicht in die\nBanalit\u00e4t herabfallen kann. Oder ist es vielleicht gerade die\ntiefste, heimliche Ebene, auf der das<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t16\n16\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nSpiel\nprogrammiert wird und wo das geheimnisvoll-runenartige Gekritzel der\nProgrammierer sichtbar wird?<\/p>\n\n\n\n<p>\n0-Ton\t<strong>(auf\nDeutsch) Vera: <\/strong>Was\nh\u00e4tte sonst in Ru\u00dfland sein k\u00f6nnen? Die<\/p>\n\n\n\n<p>\nOrthodoxie\nist bei vielen Menschen wieder popul\u00e4r geworden aber leider die\northodoxen und rechten Gedanken gehen in modernem Ru\u00dfland etwas nah\nbeieinander<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Vera,\nSlawistin aus Berlin<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\t(Vera)\n<\/strong>Es\ngibt auch kaum Alternative. Ein Atheist zu sein ist in Ru\u00dfland<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u00fcberhaupt\nnicht in, weil es zu sehr mit sozialistischer Vergangenheit verbunden\nist. &#8230; Es bleiben entweder irgendwelche indianische Glauben oder\nBuddhismus. Und die Indianer sind ein bi\u00dfchen weiter als\nBuddhisten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>0-Ton\tSlava\n(Russisch) <\/strong><em>dar\u00fcber<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>Ich\nfand in seinen Werken keine Abweichungen vom buddhistischen Kanon.\nWas mich bei Pelewin positiv \u00fcberrascht hat, ist seine Tiefe, wenn\ner so feine Aspekte ber\u00fchrt, wie die Zeit oder den Begriff der\nLeere. Soweit mein Bildungsniveau f\u00fcr ein Urteil ausreicht, kann ich\nkeine Fehler erkennen. Und \u00fcberhaupt, vom buddhistischen Standpunkt\naus scheint er mir ein Bodhisatva zu sein. Bodhisatva ist heute\njemand, der das Wort Buddhas an die modernen Bedingungen anpa\u00dft und\ndadurch die Menschen erreicht, ihnen Antworten auf ihre aktuellen\nFragen gibt, und nicht die alten verstaubten B\u00fccher.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>&#8222;Das\nt\u00e4te den amerikanischen Zionisten so passen. Daf\u00fcr haben sie ja\neurer ganzen Generation die Hirne verkleistert&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t17<strong>Autorin\t<\/strong>Aus\ndem Roman &#8222;Buddhas kleiner Finger&#8220;. Ein Dialog im Taxi:\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>So\nzu tun, als glaubte man nicht an die Realit\u00e4t- das ist die billigste\nArt und Weise, sich dieser Realit\u00e4t zu entziehen. Die armseligste,\nwenn du&#8217;s genau wissen willst&#8230; Und deshalb zeugt alles Palavern\ndar\u00fcber, da\u00df die Welt eigentlich nicht existiert, nicht von edlem\nGeist, sondern eher vom Gegenteil. Wer an die Sch\u00f6pfung nicht\nglaubt, beleidigt den Sch\u00f6pfer.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\n&#8222;Was\nmeinen Sie mit edlem Geist?&#8220; fragte ich. &#8222;Und was den\nSch\u00f6pfer des Universums angeht- mit dem bin ich fl\u00fcchtig bekannt&#8230;\nEr hei\u00dft Grigori Kotowski und wohnt in Paris, und wenn ich so aus\nIhrem sch\u00f6nen Wagenfenster gucke, mu\u00df ich annehmen, da\u00df er immer\nnoch kokains\u00fcchtig<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>In\nPelewins Werken werden jede Menge Drogen konsumiert und es gibt<\/p>\n\n\n\n<p>\nbeeindruckende\nBeschreibungen psychedelischer Erfahrungen. Aber er ist kein\nrussischer Timothy Leary. Fragen nach eigenen Erfahrungen auf diesem\nGebiet weist er aufs sch\u00e4rfste zur\u00fcck. Offensichtlich betrachtet er\nDrogen nicht als Passierschein f\u00fcr h\u00f6here Sph\u00e4ren, sondern eher\nals Weg durch die Hintert\u00fcr, der ins Nichts f\u00fchrt. Aber gerade\nhier, scheint mir, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Zugang zu\nPelewin finden, am h\u00f6chsten \u2014 im Spannungsfeld zwischen dem\nBuddhismus, den ver\u00e4nderten Bewu\u00dftseinszust\u00e4nden und der\npostsowjetischen Realit\u00e4t, oder, wenn man so will, der Irrealit\u00e4t\nder postsowjetischen Epoche.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t\t17<strong>0-Ton\tSiava\n\t<\/strong><em>dar\u00fcber<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n\t18\n18\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n3 <\/strong>Die\nrussische Generation \u201eP&#8220; ist interessant, weil sie eine<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u00dcbergangsgeneration\nvom Sozialismus zum Kapitalismus ist. Ausgerechnet uns wurde diese\nRolle zuteil, die sich mit der Situation des Buddha Shakjamuni\nvergleichen l\u00e4\u00dft: Er lebte zuerst in einem k\u00fcnstlichen Milieu,\nvollst\u00e4ndig umsorgt und besch\u00fctzt, bis er ins Leben geworfen wurde\nund erst dort gezwungen war, die Erleuchtung zu erreichen. Unter dem\nSozialismus waren wir alle besch\u00fctzt und wurden dann unsanft in die\nkapitalistische Realit\u00e4t hinausbef\u00f6rdert. Und genau das ist unser\nVorteil gegen\u00fcber den Generationen, die nur in einem einzigen System\ngro\u00dfgeworden sind. Es verh\u00e4lt sich wie mit den Drogen. Unter Drogen\nentsteht eine andere Illusion, als in der n\u00fcchternen Existenz, und\nes ist keinesfalls so, da\u00df die eine besser ist als die andere. Wenn\nder Mensch die Flexibilit\u00e4t der Welt sieht, und erkennt, da\u00df in ihr\nviele Varianten m\u00f6glich sind, so kommt er bez\u00fcglich dieser Welt auf\nverschiedene Gedanken. An sich ist jedoch weder das eine noch das\nandere System wirklich wertvoll. Weder Sozialismus noch Kapitalismus\nhaben etwas Gutes an sich. Aber da\u00df eine ganze Generation in einer\n\u00dcbergangszeit gro\u00dfgeworden ist, gibt ihr eine gewisse Chance.\nWichtig ist jedoch die Erfahrung, da\u00df die Welt, in der du lebst,\nnicht unbedingt mit der identisch ist, in der du nachher sein wirst.\nEs hat also keinen Sinn, sich daran zu<\/p>\n\n\n\n<p>\nklammern,\nman sollte sich vielleicht andere Ziele setzen, die au\u00dferhalb dieser\nWelt liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n1 <\/strong>Game\npaused<\/p>\n\n\n\n<p>\ne-mail<\/p>\n\n\n\n<p>\nVon\nViktor Pelewin<\/p>\n\n\n\n<p>\nBetreff\nRadio<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t19\n19\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>OK,\nViktoria, ich bin bereit, Ihre Fragen zu beantworten. Schicken Sie\nsie mir per e-mail. Wenn Sie unbedingt meine Stimme brauchen, lassen\nSie einen Burschen meine Antworten vorlesen, es gibt doch viele\nRussen bei Ihnen in Deutschland. Ich verrate Sie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Halten\nSie Ihre (unsere) Generation f\u00fcr gl\u00fccklich?<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>,,Generation&#8220;\nist ein abstrakter Begriff, und die F\u00e4higkeit eines abstrakten\nBegriffes, Gl\u00fcck zu empfinden, kommt mir fragw\u00fcrdig vor. Au\u00dferdem\nh\u00f6re ich immer in dem Wort &#8222;Generation&#8220; \u2014 &#8222;Altersgruppe&#8220;\neine Andeutung auf eine Gruppe Menschen, die gruppenweise alt werden\nund sterben. Von wegen gl\u00fccklich!<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin:\t<\/strong>Russische\nNeureiche, ihr Jargon&#8230; Wodurch ist das Milieu f\u00fcr Sie<\/p>\n\n\n\n<p>\ninteressant?\nOder ist es das nicht mehr?<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2: <\/strong>Nicht\nmehr. Bald kommt anstatt der typisch neureichen Finger-Spreiz-Geste\nwieder das Salutieren in Mode. Oder man wird die f\u00e4cherartig\ngespreizten Finger an die Milit\u00e4rm\u00fctze anlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>In\nIhren B\u00fcchern gab es immer einen Ausweg, und in &#8222;Generation P&#8220;\ngibt es<\/p>\n\n\n\n<p>\nkeinen.\nWarum nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>Das\nist ein Buch nicht \u00fcber den Ausweg, sondern dar\u00fcber, was statt\ndessen sein kann. Hier ist der psychische Zustand beschrieben, der in\nder modernen Welt dominiert. Aus diesem Zustand gibt es keinen\nmetaphysischen Ausweg, es gibt nur die M\u00f6glichkeit des \u00dcberganges\nin einen anderen Zustand, von<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t20<strong>20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\ndem\naus sich vielleicht ein Ausweg findet. Vielleicht auch nicht. Das\nist, wenn man sich der modischen U-Boot-Terminologie bedient, eine\n\u00fcberflutete Sektion, aus der der Ausweg nur in eine andere\n\u00fcberflutete Sektion f\u00fchrt. Und gerade dort haben sich alle Seeleute\ngetroffen und teilen das Geld, das \u00fcbrigens, im Jargon der\nNeureichen &#8222;Luft&#8220; hei\u00dft. In der &#8222;Generation P&#8220;\ngibt es keinen Ausweg, sondern seine M\u00f6glichkeit. Das Buch endet\ndamit, da\u00df der Held, nachdem er zu viel Fliegenpilze gegessen hat,\nauf einem halbfertig gebauten Lokator-Turm einschl\u00e4ft. Wenn er\naufwacht, wird er machen k\u00f6nnen, was er will.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Autorin\t<\/strong>Man\nnennt sie einen buddhistischen Schriftsteller. Kann ein russischer,\nein<\/p>\n\n\n\n<p>\neurop\u00e4ischer\nSchriftsteller \u00fcberhaupt ein buddhistischer sein?<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Sprecher\n2 <\/strong>Schriftsteller\nnennt sich ein Mensch, der B\u00fccher schreibt. Ob ein Buddhist B\u00fccher\nschreiben kann? Ich denke schon, Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle gab es.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"http:\/\/viktoriabalon.net\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/pelewin.pdf\">pelewin<\/a><a href=\"http:\/\/viktoriabalon.net\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/pelewin.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00dcDWESTRUNDFUNK SWR2 Dschungel Produktion: 06.11.-01.12.2000, Studio 7, BAD, 09.00 &#8211; 16.45 Redaktion: Katrin Zipse Regie: Ulrich Lampen Sendung: 20.12.2000 Zeit: 14.05 Uhr SUCHSPIEL MIT PELEWIN Ein russischer Schriftsteller im Cyberspace Von Viktoria Balon Deutsche Bearbeitung: Olga Fidor Besetzung: Autorin: Sprecher<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-95","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-features"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=95"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97,"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95\/revisions\/97"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=95"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=95"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/viktoriabalon.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=95"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}